Warum Schutzengel heilen helfen

Zwei Drittel der Deutschen glauben an Schutzengel: Auch Mediziner und Theologen sprechen sich jetzt für die Integration von Religiosität in die Behandlung von Patienten aus. Dabei geht es nicht um Magie, sondern darum, dass Menschen wieder Fuß fassen.

Ärzte sollten bei der Behandlung schwer erkrankter Patienten nach Religion oder spiritueller Überzeugung des Kranken fragen: Dafür haben Mediziner und Theologen gestern bei einem Kongress-Seminar der Medizinfachmesse Medica in Düsseldorf plädiert. Ärztliche Behandlungsangebote in Übereinstimmung mit diesen spirituellen Einstellungen könnten „Lebensqualität und psychosoziales Wohlbefinden“ der Betroffenen deutlich erhöhen, sagte die Medizinerin Gudrun Bornhöft aus Goslar.

Nach einer aktuellen und repräsentativen Umfrage des Magazins Geo glauben zwei Drittel der Deutschen an einen Schutzengel. Nach Meinung des Trierer Religionspsychologen Sebastian Murken ist der weit verbreitete Engelsglauben ein „Beweis für die Sehnsucht nach persönlicher Fürsorge“. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass zwar 66 Prozent an Schutzengel glauben, aber zwei Prozent weniger daran glauben, dass es Gott gibt.

„Es geht uns nicht um Magie und die Bannung dunkler Kräfte“, sagt Prof. Elisabeth Gödde vom Institut für Humangenetik aus Datteln. Vielmehr ginge es darum, „dass die Menschen wieder Fuß fassen“.

Erfahrungen der Palliativmedizin mit Schwerstkranken oder Sterbenden zeigten klar, dass Menschen mit spirituellen Erfahrungen wie etwa dem Glauben an einen Schutzengel „deutliche Schmerzlinderungen“ erlebten. Außerdem fühlten sie sich körperlich wohler, hätten weniger Atemprobleme und damit weniger Angst. Gerade Engel spielten hier eine große Rolle für viele Menschen, sagte die Theologin Christa A. Thiel: „Sie sind greifbarer als Gott.“

Besonders bei der Behandlung chronisch Kranker sollten Hausärzte ohne Scheu das Thema Religiosität ansprechen. Dies gelte natürlich beim Überbringen schlechter Nachrichten und immer, „wenn es um die Sinnhaftigkeit des Lebens geht“.

Artikel aus Welt online vom 16.11.2007

 

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